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Anwalt für Steuerrecht in Berlin - Häusliches Arbeitszimmer - Absetzung begrenzt oder unbegrenzt?

Viele Arbeitnehmer arbeiten auch daheim. In der Vergangenheit gab es immer wieder gerichtlichen Streit bzgl. der Berücksichtigung der Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer im Einkommensteuerrecht. Aufgrund eines Aussetzungs- und Vorlagebeschlusses des Finanzgerichts Münster vom 08.05.2009 hat dann das höchste deutsche Gericht, das Bundesverfassungsgericht, Zweiter Senat, am 06.07.2010, Az.: 2 BvL 13/09 folgendes beschlossen:

„§ 4 Absatz 5 Satz 1 Nummer 6b des Einkommensteuergesetzes in der seit Inkrafttreten des Steueränderungsgesetzes 2007 vom 19. Juli 2006 (Bundesgesetzblatt I Seite 1652) geltenden Fassung ist mit Artikel 3 Absatz 1 des Grundgesetzes unvereinbar, soweit das Abzugsverbot Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer auch dann umfasst, wenn für die betriebliche oder berufliche Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht."

Aufgrund dieses Beschlusses lautet § 4 Absatz 5 Satz 1 Nummer 6b EStG heute wie folgt:

„Die folgenden Betriebsausgaben dürfen den Gewinn nicht mindern: Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer sowie die Kosten der Ausstattung. Dies gilt nicht, wenn für die betriebliche oder berufliche Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht. In diesem Fall wird die Höhe der abziehbaren Aufwendungen auf 1250 Euro begrenzt; die Beschränkung der Höhe nach gilt nicht, wenn das Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Betätigung bildet."

Über § 9 Absatz 5 Satz 1 EStG gilt dies nicht nur für Betriebsausgaben, sondern auch für die Werbungskosten eines Arbeitnehmers. Zu beachten ist dabei, dass der Betrag von 1250 Euro kein Pauschbetrag ist, sondern ein objektbezogener Höchstbetrag, der nicht mehrfach für verschiedene Tätigkeiten oder Personen in Anspruch genommen werden kann, sondern ggfs. auf die unterschiedlichen Tätigkeiten oder Personen aufzuteilen ist, vergl. BMF-Schreiben vom 02.03.2011, GZ: IV C 6 - S 2145/07/10002.

Das häusliche Arbeitszimmer muss bei Arbeitnehmern ausschließlich oder nahezu ausschließlich zu beruflichen Zwecken genutzt werden. Dabei ist eine gleichzeitige private Mitbenutzung kleiner 10 Prozent nicht schädlich. Zu den anerkannten Ausgaben für das Zimmer gehören die anteiligen Kosten für die Reinigung und für den häuslichen Versicherungsschutz, die Miete und die Nebenkosten, aber auch bestimmte Aufwendungen für die Ausstattung des Zimmers, wie z. B. Tapeten oder Gardinen. Um den anteiligen Wert zu ermitteln, müssen Sie die Fläche des häuslichen Arbeitszimmers ins Verhältnis zur gesamten Wohnung setzen. Ergibt sich zum Beispiel ein Wert von 20 %, so können Arbeitnehmer 20 % der jeweiligen Ausgaben als Werbungskosten geltend machen. Das Zimmer sollte schlicht gehalten werden, da z. B. ein Fernseher oder ein Gästebett die steuerliche Anerkennung gefährden können. Beachten Sie, dass Finanzbeamte im Zweifel auch eine Ortsbesichtigung vornehmen dürfen.

Fazit: Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer sind grundsätzlich bis 1250 Euro als Werbungskosten für Arbeitnehmer absetzbar und wenn das Zimmer der Mittelpunkt Ihrer gesamten beruflichen Betätigung darstellt, sogar unbegrenzt.

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