Rechtsanwalt Wudtke Berlin - Anwalt Steuerrecht, Anwalt Sozialrecht, Anwalt Arbeitsrecht

Anwalt für Steuerrecht in Berlin - Doppelte Haushaltsführung - Wo ist der Lebensmittelpunkt?

Viele Arbeitnehmer sind aufgrund ihrer beruflichen Tätigkeit gezwungen, sich an ihrem jeweiligen Beschäftigungsort eine zweite Wohnung zu halten. Dies verursacht natürlich zusätzliche Kosten, aber diese Kosten sind ggfs. als Werbungskosten abzugsfähig. Dies ist dann der Fall, wenn es sich um eine sog. doppelte Haushaltsführung handelt.

§ 9 Absatz 1 Satz 3 Nr. 5 Satz 2 EStG besagt dazu: Eine doppelte Haushaltsführung liegt nur vor, wenn der Arbeitnehmer außerhalb des Ortes, in dem er einen eigenen Hausstand unterhält, beschäftigt ist und auch am Beschäftigungsort wohnt.

Nach einem Urteil des Bundesfinanzhofs in BFH VI R 93/77 BStBl II 79, 146 unterhält ein Arbeitnehmer einen eigenen Hausstand, wenn er eine Wohnung besitzt, deren Einrichtung seinen Lebensbedürfnissen entspricht und in der hauswirtschaftliches Leben herrscht, an dem sich der Arbeitnehmer sowohl durch seine persönliche Mitwirkung als auch finanziell maßgebend beteiligt.

Problematisch ist in vielen Fällen, wo der Lebensmittelpunkt des Arbeitnehmers ist, d. h., ob der eigene Hausstand am Ort des ersten Wohnsitzes ist. Bei verheirateten Arbeitnehmern ist, außer wenn sie dauerhaft getrennt leben, davon auszugehen, dass der Arbeitnehmer gemeinsam mit seinem Ehegatten am Lebensmittelpunkt einen eigenen Haushalt unterhält. Dabei ist die persönliche aktive Beteiligung am Ehehaushalt ein starkes Indiz dafür, dass der Arbeitnehmer überhaupt noch am Erstwohnsitz seinen Lebensmittelpunkt hat. Der Arbeitnehmer muss zudem auf das Leben in der Erstwohnung einen umfassenden Einfluss ausüben, d. h. er muss mitbestimmen und gestalten und darf sich nicht darauf beschränken, den Ehegatten finanziell zu unterstützen und dieser betreibt den Haushalt im Übrigen allein. Als Besonderheit ist bei ausländischen Eheleuten zu erwähnen, dass der Lebensmittelpunkt auch dann noch in der Erstwohnung als existent angenommen wird, selbst wenn sich die Eheleute sogar ein Jahr lang nicht gesehen haben. In dieser Zeit muss jedoch brieflicher oder telefonischer Kontakt bestanden haben, vgl. BFH VI R 114/76 BStBl II 78, 26. Der Lebensmittelpunkt muss somit nicht automatisch dort sein, wo man sich hauptsächlich aufhält.

Bei ledigen Arbeitnehmern erfolgt eine ähnliche Prüfung bzgl. der Frage, ob am Erstwohnsitz überhaupt noch der Lebensmittelpunkt besteht. Hier geht man aber davon aus, dass, je länger die auswärtige Tätigkeit dauert, desto mehr dafür spricht, dass die eigentliche Haushaltsführung und damit der Mittelpunkt der Lebensführung an den Beschäftigungsort, den Zweitwohnsitz, verlegt worden ist und die Erstwohnung nur noch zu Besuchszwecken dient. Kriterien dafür sind auch die Größe und Ausstattung der Zweitwohnung. Ist diese der Erstwohnung entsprechend oder sogar besser, so kann dies dafür sprechen, dass der Lebensmittelpunkt verlegt worden ist. In diesem Fall läge dann kein Fall einer doppelten Haushaltsführung vor, d. h., ein Werbungskostenabzug würde hier entfallen.

Fazit: Entscheidend für die Anerkennung des Werbungskostenabzugs ist, wo sich der Lebensmittelpunkt befindet. Im Zweifel wird das Finanzamt daher kritisch prüfen, ob sich dieser an den Beschäftigungsort verlagert hat.

Wenn Sie noch Fragen haben vereinbaren Sie noch heute einen Termin unter der Telefonnummer 030/88719214 oder nutzen Sie das Kontaktformular.

  • Telefon:
    030 - 88 71 92 14
  • E-Mail:
  • Adresse:
    Kurfürstendamm 216
    10719 Berlin

Direkt-Links